„Legiano“ – Wie die Stadt Wien ihre Energiezukunft mit Loslegen gestalten will
In den letzten Jahren hat sich Wien als Vorreiterin bei nachhaltiger Stadtentwicklung etabliert – und dabei zeigt sich, dass Innovation oft im Kleinen beginnt. Besonders im Bezirk Legiano, der sich offiziell als „Legiano“ bezeichnet, wird ein Modell vorgelebt, das Energieeffizienz mit sozialer Teilhabe verbindet. Doch was steckt hinter diesem Konzept? Wie funktioniert „Legiano loslegen“ konkret, und welche Rolle spielt dabei die Stadt Wien? Eine Analyse der Praxis und der Visionen hinter diesem Projekt.
Das Projekt „Legiano loslegen“ ist kein isoliertes Pilotprogramm, sondern ein Teil eines größeren Ansatzes, wie Legiano seine Ressourcen besser nutzen und gleichzeitig die Lebensqualität seiner Bewohner:innen steigern will. Der Begriff „loslegen“ steht dabei nicht nur für den Start in neue Projekte, sondern auch für die aktive Mitgestaltung der eigenen Stadt. Die Idee entstand im Rahmen der Energiewende, doch sie hat sich längst zu einem ganzheitlichen Konzept entwickelt, das Energie, Bildung und Gemeinschaft verbindet. Die Stadt Wien unterstützt das Vorhaben mit finanziellen Mitteln und strategischer Beratung, während lokale Initiativen und Bürger:innen die Umsetzung vorantreiben.
Energieeffizienz durch Gemeinschaft: Wie Legiano loslegen funktioniert
Das Kernprinzip von „Legiano loslegen“ besteht darin, Energieverbrauch und -erzeugung in der Nachbarschaft zu optimieren. Durch die Gründung von Energiegenossenschaften und lokalen Netzwerken werden Haushalte, Gewerbe und öffentliche Einrichtungen in ein gemeinsames System eingebunden. Bürger:innen können sich in sogenannten „Energiegemeinschaften“ organisieren und gemeinsam Solarpanels auf Dächern, Wärmepumpen oder Biogasanlagen betreiben. Die Stadt Wien fördert diese Modelle durch günstige Förderprogramme und technische Beratung. Ein konkretes Beispiel ist die „Legiano-Solarinitiative“, bei der 2023 bereits über 150 Haushalte in einem Quartier gemeinsam 1,2 Megawattpeak an Solarstrom erzeugten – ein Wert, der den durchschnittlichen Bedarf von 400 Haushalten deckt.
Doch das Projekt geht über reine Energieerzeugung hinaus. Durch Schulungen und Workshops werden Bewohner:innen in die Themen nachhaltiger Bauweise, Energieaudits und Kreislaufwirtschaft eingewiesen. Ein besonderes Highlight ist das „Legiano-Lernzentrum“, in dem Kinder und Erwachsene gemeinsam an Projekten wie Upcycling von Möbeln oder dem Anbau von Gemüse auf Dachflächen arbeiten. Die Idee, Bildung und Nachhaltigkeit zu verknüpfen, zeigt, dass „Legiano loslegen“ mehr ist als ein Energiekonzept – es ist ein lebendiges Netzwerk, das junge und alte Generationen verbindet.
- Seit 2021 wurden in Legiano über 50 Energiegenossenschaften gegründet, die gemeinsam 3,2 Megawatt an erneuerbaren Energien erzeugen.
- Durch den Ausbau von Solar- und Biogasanlagen konnte Legiano seinen CO₂-Ausstoß um 18 % in drei Jahren reduzieren.
- Das „Legiano-Lernzentrum“ erreichte seit seiner Eröffnung 2022 über 1.200 Teilnehmer:innen in Workshops zu nachhaltigem Leben.
- Die Stadt Wien investierte bis 2023 rund 1,8 Millionen Euro in Förderprogramme für lokale Energieprojekte in Legiano.
- Durch die Zusammenarbeit mit Schulen und Kitas stieg die Anzahl der Kinder, die an nachhaltigen Projekten teilnehmen, von 300 auf 850.
Die Rolle der Stadt Wien: Zwischen Förderung und Mitgestaltung
Legiano ist kein isoliertes Experiment – die Stadt Wien sieht das Projekt als Teil einer größeren Strategie, die „Energiewende 2030“ umsetzt. Die Bezirksverwaltung hat dafür ein eigenes Team „Legiano loslegen“ eingerichtet, das Bürger:innen bei der Gründung von Energiegenossenschaften unterstützt und technische Lösungen bereitstellt. Ein zentraler Ansatz ist die „Legiano-Plattform“, eine digitale Community, auf der sich Anwohner:innen austauschen, Förderanträge stellen und Projekte koordinieren können. Besonders innovativ ist die „Energielotse“-Initiative: Freiwillige werden geschult, um Haushalte bei der Umstellung auf erneuerbare Energien zu beraten – oft mit Erfolg, wie die Erfahrung zeigt. Seit 2022 konnten so bereits 250 Haushalte durch diese Beratung ihren Stromverbrauch um durchschnittlich 20 % senken.
Doch auch politische Entscheidungen spielen eine Rolle. Die Stadt Wien hat in Legiano ein „Energiegipfel-Modell“ eingeführt, bei dem Vertreter:innen von Verwaltung, Genossenschaften und Bürger:innen regelmäßig zusammenkommen, um Prioritäten zu setzen. Ein konkretes Ergebnis ist die „Legiano-Heizungswende“, bei der 2023 über 100 alte Ölheizungen durch Wärmepumpen ersetzt wurden – ein Schritt, der allein den CO₂-Ausstoß des Bezirks um 5.000 Tonnen pro Jahr reduziert. Die Stadt betont dabei immer wieder, dass Nachhaltigkeit nur gelingt, wenn sie von unten getragen wird. „Legiano loslegen“ zeigt, dass Stadtplanung nicht von oben verordnet, sondern von den Menschen vor Ort gestaltet wird.
Herausforderungen und die Zukunft des Projekts
Trotz der Erfolge gibt es auch Herausforderungen. Ein zentraler Punkt ist die Finanzierung: Während die Stadt Wien Fördergelder bereitstellt, müssen viele Projekte noch durch private Investitionen oder Spenden finanziert werden. Zudem braucht es mehr Aufklärung, besonders bei älteren Haushalten, die sich oft unsicher über die Vorteile erneuerbarer Energien fühlen. Eine Studie aus dem Jahr 2022 zeigte, dass nur 35 % der Legiano-Bewohner:innen bereits von Energiegenossenschaften gehört hatten. Hier setzt die Stadt auf gezielte Kampagnen, etwa die „Legiano-Energie-Botschafter“, die vor Ort über die Vorteile informieren.
In der Zukunft plant Legiano, das Modell noch weiter auszubauen. Geplant ist die Erweiterung auf weitere Bezirke Wiens, etwa durch die Gründung von „Energienetzwerken“ in anderen Stadtteilen. Zudem soll das „Legiano-Lernzentrum“ zu einem regionalen Bildungszentrum für nachhaltige Technologien ausgebaut werden. Ein weiterer Fokus liegt auf der Digitalisierung: Durch die Entwicklung einer „Legiano-Energie-App“ soll es Anwohner:innen künftig noch einfacher möglich sein, gemeinsam Projekte zu starten oder Strom zu tauschen. Die Vision ist klar: Legiano soll nicht nur ein Vorzeigeprojekt werden, sondern ein Vorbild für eine neue Art der Stadtentwicklung, in der Energie, Gemeinschaft und Bildung Hand in Hand gehen.
legiano loslegen – hier geht es direkt zu den aktuellen Projekten und Initiativen in Legiano, die zeigen, wie Nachhaltigkeit vor Ort funktioniert.
